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 Die Post im Reiche des Ostgotenkönigs Theoderich

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Cophila
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BeitragThema: Die Post im Reiche des Ostgotenkönigs Theoderich   Fr Dez 19, 2008 12:06 am

(Von A. Korzendorfer, Oberregierungsrat, München, in Anlehnung mit freundlicher Empfehlung aus dem Jahre 1937)

"Die Post dient unzweifelhaft dem öffentlichen Wohle, denn mit ihrer Hilfe werden unsere Befehle außerordentlich schnell befördert und vollzogen." (König Theoderich im Jahre 507 n. Chr.)



(Dietrich von Bern vor der Etzels-Burg).

Der Ostgote Theoderich (der Große), Sohn des Theodemir aus dem Geschlecht der Amaler, der in die deutsche Sage als "Dietrich von Bern" eingegangen ist, hat im Jahre 493 n. Chr. in Italien auf den Trümmern des Römischen Reiches einen germanischen Militärstaat errichtet.

Unter seiner 33jährigen Herrschaft blühte das verfallene und verödete Land wieder auf. "Wie eine riesige Schonung inmitten des sturmzerschlagenen Waldes, so liegen die Jahre seines Regiments zwischen den endlosen Kriegen, die vor ihm und nach ihm Italien verheerten." Der gänzliche Verfall der römischen Kultur wurde gehemmt. Bei Theoderichs Tode im Jahre 526 erstreckte sich das Ostgotenreich über Italien, Sizilien, das südliche Gallien, Dalmation und die Länder nördlich der Alpen und südlich der Donau, also über die ehemaligen römischen Provinzen Vindelizien, Rätien und Norikum. Die Nachkommen und Nachfolger Theoderichs auf dem Königsthron konnten sich aber gegen die Angriffe der oströmischen Kaiser nicht behaupten. Nach einem 20jährigen heldenmütigen Kampfe, den uns Felix Dahn in seinem unsterblichen Werke "Der Kampf um Rom" schildert, erlagen die Ostgoten mit ihrem letzten König Teja in der Schlacht am Milchberg, südlich von Neapel. Den Überlebenden gewährte der oströmische Feldherr Narses freien Abzug unter Belassung der Waffen und unter der Bedingung, daß sie Italien mit ihren Weibern, Kindern und ihrem ganzen Troß verlassen und nichts mehr gegen den oströmischen Kaiser unternämen. Dies versprechen sie.

Wohin sie gezogen sind, es sollen nurmehr 7000 Köpfe gewesen sein, weiß man nicht. Denn seine Kunde berichtet mehr etwas über das Ende der Reste dieses tapferen germanischen Volkes.

Aber über kein germanisches Volk, das unter der Völkerwanderungszeit (500 n. Chr. bis 600 n. Chr.) aus dem Norden und Osten nach dem Süden und Westen Europas zog, sind mehr und ausführlichere Berichte überliefert worden als über die Ostgoten und vor allem über den König Theoderich. Und zwar haben sich Schriftsteller römischer, gallischer, gotischer und griechischer Abstammung, die zu Theoderichs Zeiten und kurz nachher lebten, bemüht, alles Wissenwerte über den König und sein Volk zu sammeln und niederzuschreiben.

An die Spitze meiner Ausführungen, gleichsam als Geleitwort, habe ich aus einem Erlaß des Königs an die Bewohner einer Stadt am Ifonzo aus dem Jahre 507 n. Chr. den Satz gestellt: "Die Post dient unzweifelhaft dem öffentlichen Wohle, denn mit ihrer Hilfe werden unsere Befehle außerordentlich schnell befördert und vollzogen." Ähnliche Grundsätze, die beweisen, daß Theoderich tief in die Aufgaben und Ziele nicht nur der Verkehrspolitik eines großen Reiches, sondern auch der Verwaltung eines Staates überhaupt eingedrungen ist, finden sich miest am Anfang seiner Erlasse für alle Staatsverwaltungszweige in großer Zahl.

Die umfangreichste Quelle für seine Verwaltungsgrundsätze, insbesondere für seine Verkehrspolitik, bietet uns aber eine einzigartige Sammlung von Erlassen und Schreiben des Königs uns seiner Nachfolger. Diese Sammlung verdanken wir dem Römer Magnus Aurelius Cassiodorus Senator, der unter fast allen ostgotischen Königen die höchsten Staatsstellen bekleidete und nach seinem Ausscheiden aus dem Staatsdienst gewissermaßen seinen Schreibtisch ausräumte und nahezu 500 Schriftstücke, in zwölf Bücher eingeteilt, zusammenstellte. Er nannte diese Sammlung "variae", d. h. verschiedene, zu ergänzen ist "Briefe". Die ersten fünf Bücher enthalten Erlasse des Königs Theoderich, sie sind in keiner Weise geordnet. Die Zeit der Abfassung ist nicht angegeben. Man hat die Empfindung, daß Cassiodorus bei der Niederschrift keinerlei Akten, sondern nur die von ihm gefertigen Entwürfe als Grundlage benutzen konnte.

(Cassiodorus wird im Schrifttum nicht mit seinem Familiennamen Senator, sondern mit seinem Vornamen Cassiodorus genannt. Er entstammte einer römischen Beamtenfamilie, schon der Großvater war unter dem Kaiser Valentinian III. (419-458 n. Chr.) Offizier und Beamter. Cassiodorus ist wahrscheinlich im Jahre 480 in Squillacium in Kalabrien in Unteritalien geboren. Um das Jahr 500 kam er in den Dienst des Königs Theoderich, wurde zunächst Präfekt von Bruttium in Unteritalien, dann Sprecher des Königs, dann sein vertrautester höchster Beamter und Freund. Wenn Theoderich in den ersten Jahren seiner Regierung versuchte, eine Verschmelzung der germanischen und römischen Kultur herbeizuführen, so ist dies zweifellos auf den Einfluß des Cassiodorus zurückzuführen. Cassiodorus blieb nach dem Tod Theoderichs im Jahre 526 im Amt und zog sich erst unter dem König Wittges (536-540) aus dem Dienst zurück. In der Nähe seines Geburtsortes Squillacium hatte er ein Kloster erbauen lassen. Hier lebte er bis zu seinem Tode. ER soll im Alter von 95 Jahren gestorben sein.)

Cassiodorus will in seinem Formelbuch nach seinen Angaben Muster für Erlasse und Schreiben zum Nutzen künftiger Staatsbeamter geben. Allein, das war nicht der wahre Grund. Denn die nahezu 500 Schreiben lassen keinen Zusammenhang erkennen. Sie behandeln ohne Ordnung folgende Gegenstände: Ernennung von Beamten (in 52 Schreiben), Steuerwesen (26), Bauwesen (23), Heer und Flotte (23), Finanzwesen (19), Auswärtige Angelegeneheiten (14), Theater (9), Postwesen (6), Juden (5).

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BeitragThema: Re: Die Post im Reiche des Ostgotenkönigs Theoderich   Fr Dez 19, 2008 12:08 pm



(Dietrich von Bern (rechts) und Wittich bei ihrer ersten Begegnung. Im Hintergrund Hildebrand und Heime).

> Cassiodorus hat außerdem viele Schreiben in seine Sammlung aufgenommen, aus denen das große Vertrauen und die große Neigung, die König Theoderich ihm gegenüber zeigte, hervorging. Manche dieser Schreiben rühmen in so überschwenglicher Weise seine Verdienste, daß man fast auf den Gedanken Kommen könnte, er hätte sie selber verfaßt, ohne daß der König sie je unterschrieben. Es wäre dies möglich gewesen, weil Theoderich längst tot war, als Cassiodorus die Erlasse herausgab. Zutreffend sind aber zweifellos alle die Schreiben, die Dinge behandeln, die mit der Stellung und der Bedeutung der Person des Cassiodorus nichts zu tun haben, also vor allem die Anordnungen des Königs über Handel und Verkehr.

Die Erlasse sind nicht in einem guten, in einem ciceronianischen Latein überliefert. Ihre Sprache zeigt schon den Niedergang der römischen Kultur. Es ist dies zwar verwunderlich, weil des Cassiodorus Vorfahren seit Generationen im Staatsdienst standen und er selbst zweifellos eine gediegene Erziehung genossen hatte. Aber vielleicht waren die Schreiben von Unterbeamten entworfen und von Cassiodorus nicht genügend verbessert worden. Denn daß Cassiodorus absichtlich sich einer Art Volkssprache, also eines bereits verderbten Lateins bedient hätte, ist nicht anzunehmen, dazu sind die Schreiben in einem gespreitzen Stil, fast möchte ich sagen, in einem Kanzleistil geschrieben, so daß viele Stellen dunkel und unverständlich sind. Dies ist auch der Grund, warum es noch keine Übersetzung der Erlasse gibt.

Theoderich hatte als erster germanischer Fürst den Gedanken, an Stelle des Römischen Reiches durch Vereinigung alter germanischer Völker ein einheitliches Reich zu schaffen. Leider gelang ihm dies nicht.

Er und seine Ostgoten waren ins Land gezogen als Bundestruppen des oströmischen Kaisers. Sein Reich war nach außen hin also kein selbständiges Germanenreich, sondern ein Teil des Römischen Reiches, in dem er in Vertretung des oströmischen Kaisers regierte. Theoderich sah bald ein, daß er mit Hilfe seines verhältnismäßig kleinen Volkes - es wird kaum mehr als 200.000 Köpfe gezählt haben, ein so großes Land wie Italien nicht allein verwalten konnte, und daß er auf ein verständnisvolles Zusammenarbeiten mit den Römern angewiesen war. Er gliederte daher sein Reich nach Ständen. Die Goten bildeten den Wehrstand. Nur sie durften Waffen tragen, sie beaufsichtigten die gesamte Verwaltung. Die Verwaltung selbst ließ Theoderich in den Händen der Römer und wählte sich als ersten Minister einen Mann, der sich schon bei Odoaker um die Erhaltung und den Fortbestand einer geordneten Verwaltung sehr verdient gemacht hatte, nämlich den Römer Magnus Aurelius Cassiodorus Senator. Römer und Goten waren und blieben getrennt nach Abstammung, Sprache, religiösem Bekenntnis und Brauchtum. Heiraten zwischen Goten und Römern waren verboten. Eine Annäherung beider Völker versuchte Theoderich, wenn auch vergeblich, nur in Bezug auf die Kultur. Unrichtig ist aber, wenn immer wieder behauptet wird, die Goten, wie überhaupt die Germanen, wären in Italien "als Barbaren und Zerstörer" aufgetreten, denn sie hatten, und vor allem ihr Führer, eine viel zu hohe Achtung vor der römisch-griechischen Kultur. Sie dachten gar nicht daran, all das Herrliche an dem sich sich erfreuten und das sie bewunderten, aus Mutwillen zu zerstören. Und wenn sie in dem Schrifttum ihrer Zeit als "Barbaren" bezeichnet werden, so hatte das damals einen ganz anderen Sinn als heute. Barbarus war für die Griechen jeder Nichtgrieche und später für den Römer jeder Nichtgrieche und Nichtrömer. Das Wort "Barbar" bezeichente also lediglich einen völkischen Unterschied. Bezeichnete doch Theoderich sich und die Seinen im Gegensatz zu den Römern als barbari. Der Grieche Prokopius, der sich eingehend mit den Goten und ihrer Geschichte befaßte, hat dem Theoderich ob seiner musterhaften Verwaltung und Regierung das höchste Lob gespendet, und es wäre reizvoll, das im einzelnen nachzuprüfen. Denn der Minister Theoderichs, Cassiodor, liefert uns ja in seinen "variae" genug Stoff. Aber wir müssen uns mit Rücksicht auf den Zweck dieser Untersuchung auf einen Zweig der Verwaltung Theoderichs, nämlich auf die Schilderung des Postwesenes beschränken.

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BeitragThema: Re: Die Post im Reiche des Ostgotenkönigs Theoderich   Sa Dez 20, 2008 10:10 pm

Edictum Theodorico regis (Fragment):

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/0a/Theodorici.jpg

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BeitragThema: Re: Die Post im Reiche des Ostgotenkönigs Theoderich   Sa Dez 20, 2008 11:54 pm

Goldmünze mit dem Konterfei Theoderichs.



Wir wissen, daß im Römischen Reich seit Augustus, also etwa seit dem Beginn unserer Zeitrechnung, eine Staatseinrichtung bestanden hat, die den Zweck hatte, Nachrichten, Personen und Güter, aber nur wenn es der Staatszweck erforderte, zu vermitteln. Wie diese Einrichtung in der Blüte der Kaiserzeit aussah, darüber sind zusammenhängende Darstellungen aus dem Altertum nicht überliefert worden. Es finden sich hierüber aber bei römischen und griechischen Schriftstellern gelegentlich Bemerkungen, auch auf den Grabsteinen finden sich Nachrichten über die Stellung, die Tätigkeit und den Umfang des Amtsgebietes der Postbeamten. So viel ist klar, daß auf den Heeresstraßen, die von Rom ausgehend, nach allen Teilen des Römischen Reiches in einem Gesamtumfang von 80.000 bis 100.000 km sich erstreckten, in bestimmten Abständen Poststationen errichtet waren, die die Bezeichnung "manisiones", Unterkunftsräume, und "mutationes", Ausspannungsplätze, trugen. Die ersteren waren etwa 25-30 km, die letzteren etwa 11-15 km voneinander entfernt. In den mutationes tauschten die fußgehenden Boten ihre Briefsäcke aus und wechselten die Postreiter ihre Briefsäcke und ihre Tiere.

In den mansiones geschah das gleiche, nur konnte man hier auch übernachten und sich längere Zeit ausruhen.

Jeder der zur Benutzung der Post berechtigt war, mußte einen Erlaubnisschein (Diploma), einen Freifahrtschein, besitzen. Sehr drückend war die Bestimmung, daß die Stellung und Unterhaltung aller Posttiere (Pferde, Maulesel und Ochsen) die an der Poststraße gelegenen Städte und Gemeinden traf. Zwar hatte Kaiser Nerva diese Bestimmung für die Gemeinden in Italien und Kaiser Septimius Serverus für die Gemeinden in den Provinzen aufgehoben. Aber unter den Nachfolgern dieser Kaiser verloren die Gemeinden diese Wohltat wieder. Sie mußten wieder wie früher die Tiere stellen und unterhalten. Bei den Postwagenfahrten unterschied man zweierlei, die gewöhnliche Post, eursus cabularis genannt, bei der die Beförderung durch langsame und schwere Wagen, die von Ochsen gezogen wurden, geschah, und die beschleunigte Post, die Eilpost, cursus velox genannt, bei der leichte Wagen verwendet wurden, die mit Pferden und Mauleseln bespannt waren. Jede Poststation wurde von einem Vorsteher, manceps genannt, geleitet, der diesen Dienst fünf Jahre versehen mußte und dann sich um einen angenehmeren Posten bewerben konnte. Dieser Teil des Postdienstes scheint also damals nicht sehr angenehm und daher auch nicht sehr begehrt gewesen zu sein.

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BeitragThema: Re: Die Post im Reiche des Ostgotenkönigs Theoderich   So Dez 21, 2008 5:00 pm

Bis Ende des 4. Jahrhunderts wurde das Postwesen des Römischen Reiches durch einen Beamten von Rom aus geleitet. Er hieß praefectur vehiculorum, Oberpostdirektor, und hatte ein Gehalt von 100.000 Sesterzen (gleich etwa 100 Kilo Silber).

In der letzten Zeit des Römischen Reiches war noch in jeder Provinz ein eigener leitender Postbeamter angestellt. Er hieß agens in rebus (woher unser "Postagent" sich ableitet).

Zweifelhaft ist, ob auf den Poststraßen tägliche oder wöchentliche Postkurse eingerichtet oder ob die Postboten und die Postreiter sowie die Postwagen nur dann abgefertigt wurden, wenn Nachrichten oder Postreisende vorhanden waren. Ich nehme an, daß eine regelmäßige Abfertigung von Kursen stattgefunden hat. Es wird nämlich im Gesetzbuch des Kaisers Justinian einmal erwähnt, daß täglich von einer Poststation zur anderen, und zwar von beiden Seiten her, mindestens je fünf Pferde abgeschickt werden sollen.

Überhaupt sind in den Gesetzbüchern des Kaisers Theodosius und des Kaisers Justinian aus dem 5. und 6. Jahrhundert Bestimmungen enthalten, die mit den Nachrichten, die wir dem Cassiodor verdanken, übereinstimmen, und so können wir uns mit Hilfe dieser Nachrichten ein Bild der Post im Reiche des Ostgotenkönigs machen. Vor allem geht daraus hervor, daß es unrichtig ist, wenn ein sonst zuverlässiger Schriftsteller wie Riepl in seinem Werk "Das Nachrichtenwesen des Altertums" behauptet, der "cursus publicius" der Römer sei in den Stürmen der Völkerwanderung vollständig untergegangen. Man muß sich vorstellen daß die eindringenden Germanen mit ihrer geringen Zahl jeweils nur Teile des Römischen Reiches besetzen konnten, und daß sie auch in den von ihnen besetzten Gebieten die Ordnung des Staates wenig störten. Ein in jener Zeit in Italien lebender Beschof sagte einmal:

"Die Goten haben sich in Italien niedergelassen, ohne daß man es spürte." Und aus den Erlassen des Königs Theoderich, die wir nun näher betrachten wollen geht klar und deutlich hervor, daß er nicht etwa nur neue Posteinrichtungen schuf, sondern daß er auch jene nicht mehr bestehenden Posteinrichtungen wieder in Gang gesetzt und so das Postwesen im ganzen Lande im vollen Umfange wiederhergestellt hat. Wir kennen bereits den Grundsatz, den er in einem Erlaß an die Einwohner einer Stadt am Isonzo im Jahre 507 aufgestellt hat:

"Die Post dient zweifellos dem Nutzen des Staates, weil durch sie unsere Befehle am schnellsten zur Durchführung gelangen. Daher muß man ihr auch als einer notwendigen Einrichtung große Sorgalt zuwenden."

In dem gleichen Erlaß bestimmt er, daß die für die regelmäßigen Postritte bestimmten Pferde stets in gutem Zustand sein müßten, denn sonst kämen sie ja nur langsam vorwärts, und die Post, die, so fügt er ironisch bei, ja bekanntlich zur Beschleunigung erfunden sei, werde dadurch verzögert. Des weiteren ordnete er an, daß Posthäuser, die im Laufe der Zeiten eine anderweitige Verwendung gefunden hätten, nunmehr ihrer früheren Bestimmung wieder zugeführt werden sollen. Im gleichen Jahre befahl Theoderich, daß an Orten am Po auf Staatskosten Postschiffe an Stelle der Postwagen eingesetzt werden sollen, weil auf diese Weise Kräfte von Menschen und Tieren geschont und gespart werden. Daß Theoderich die Posteinrichtungen auch für seine umfassende Bautätikgeit benutzte, sehen wir aus seiner Anordnung, daß er Marmorblöcke, die für seinen Palast in Ravenna gebraucht wurden, durch Postwagen befördern ließ.


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(Aus der Sage, Dietrich von Bern im Kampf mit dem Riesen Sigenot).

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BeitragThema: Re: Die Post im Reiche des Ostgotenkönigs Theoderich   Mo Dez 22, 2008 9:55 pm

Als das Volk der Heruler den König Theoderich um Hilfe bat und seine Gesandschaft an ihn abschickte, ordnete er an, daß den Gesandten ein Postschiff und Lebensmittel für fünf Tage zur Verfügung gestellt wurden, damit sie nicht nur schnell und bequem an seinen Hof in Ravenna kämen, sondern damit sie sahen, wie mager das Land sei, in dem sie jetzt wohnten, und in ein reiches Land sie reisten, wenn sie sich künftig im Ostgotenreich niederließen. Theoderich tat dies deswegen, weil er immer darauf bedacht sein mußte, die Zahl seiner Volksgenossen durch den Zuzug von Germanen zu erhöhen, um sein Reich zu festigen.

Einen sehr aufschlußreichen Erlaß sandte Theoderich einmal an den Sejonen Gudisal. Sejonen waren gotische Offiziere, die die Aufgabe hatten, im ganzen Lande herumzureisen, Verletzungen der Gesetze festzustellen und für ein gutes Verhältnis zwischen den Goten und den Römern zu sorgen.

Theoderich hatte in Erfahrung gebracht, daß in den Bezirken des Gudisal die Postpferde durch allzu häufige Ritte und Fahrten sehr abgenutzt wurden, ja, daß man sie sogar zu anderen Zwecken als für die Post verwendete.

Er ordnete daher an, daß kein Gote und kein Römer eine Stadt mit Postpferden oder mit Postwagen verlassen durfte, er hätte denn einen Erlaubnisschein von dem Statthalter oder von dem Militärbevollmächtigten. Diesen Erlaubnisschein mußte jeder ohne Aufforderung dem Postüberwachungsbeamten vorweisen. Übertrat einer diese Anordnung, so wurde er in eine Strafe von 100 Solidi, und das war eine sehr hohe Strafe, genommen. Theoderich brachte bei dieser Gelegenheit auch die schon in der Römerzeit geltende Bestimmung in Erinnerung, daß kein Postpferd mehr als 100 römische Pfund (etwa 30 Kilo) Last tragen solle.

Die gleiche Beschränkung erließ er auch für die Beipferde, die dem Postreisenden neben seinem Reitpferd zur Beförderung seines Gepäckes ausnahmsweise gestellt wurden. Für die Postreiter allerdings ordnete Theoderich an, daß sie nur mit leichtem Gepäck reisen sollten, also ohne Beipferd, weil sie dann schneller vorwärts kämen.

Wer zuviel Gepäck mitnähme, so bemerkte Theoderich in seinem Erlaß, könne nur langsam vorwärts kommen und zeige eigentlich dadurch seine Unbrauchbarkeit für den Postdienst.



(Der Cursus publicus der Römer)

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BeitragThema: Re: Die Post im Reiche des Ostgotenkönigs Theoderich   Di Dez 23, 2008 4:06 pm

Handle es sich bei dem Übergewicht nicht um Gepäck des Postreiters, sondern um Poststücke, die der Stationsvorsteher habe aufladen lassen, so müsse der Stationsvorsteher mit einer Strafe von 100 Solidi belegt werden. Das sich Theoderich auch um den Fremdenverkehr kümmerte, geht aus einer Anordnung hervor, in der er mit strengen Strafen gegen die Wirte vorging, welche die festgesetzten Preise für Lebensmittel überschritten. Er sagte, der Reisende müsse zu festgesetzten Preisen bedient werden, wer anders handle, handle schimpflich und sei einem Räuber gleich zu achten. Man dürfe nicht Reisende zum Besuch des Landes veranlassen und sie dann übervorteilen.

Aus der Römerzeit war noch die Bestimmung in Geltung geblieben, wonach die an den Poststraßen liegenden Städte und Ortschaften verpflichtet waren, eine bestimmte Anzahl von Pferden und Maultieren für den öffentlichen Postdienst unentgeltlich zur Verfügung zu stellen und die in Staatsgeschäften Reisenden eine gewisse Zahl von Tagen unentgeltlich zu verpflegen. Städte und Ortschaften, die an vielbesuchten Straßen und Knotenpunkten lagen, hatten unter dieser Bestimmung viel zu leiden. Das traf z. B. bei der Stadt Como zu. Diese wandte sich an den Köniög um Abhilfe. Er ordnete daher an, daß die Angelegenheit untersucht werde, und bestimmte vor allem, daß die Stadt nur die vom Gesetz vorgeschriebene Zahl an Zugtieren zu stellen hätte. In der römischen Zeit war diese Bestimmung aufgehoben und die Zugtiere auf Staatskosten angeschafft worden. Diese Bestimmung scheint nun unter Theoderich wieder in Kraft getreten zu sein. Sie wurde erst wieder aufgehoben, als die Stadt Squillacium im Bruttierlande, der Heimat des Cassiodor, mit der gleichen Klage an den König herantrat. Wahrscheinlich auf Veranlassung dieses Ministers verfügte der König, wir wissen nicht, ob für alle Städte im Reiche, daß die Beschaffung aller Tiere für den Postdienst auf Kosten des Staates übernommen werden solle und daß die Verpflegung der Staatsbeamten auf ihren Dienstreisen nur für die Dauer von 3 Tagen an den einzelene Orten unentgeltlich gewährt werden müsse. Bliebe der Beamte länger als drei Tage, müsse er selbst für seinen Unterhalt sorgen und bezahlen.

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BeitragThema: Re: Die Post im Reiche des Ostgotenkönigs Theoderich   Di Dez 23, 2008 8:20 pm

Weitere Nachrichten üer die Post sind in den von Cassiodor überlieferten Edikten des Königs Theoderich nicht enthalten. Man darf aber daraus nicht schließen, daß die Post im Ostgotenreich während der Regierung Theoderichs nur mehr da und dort im Gange war. Gerade diese ins einzelene gehenden Anordnungen, von denen uns Cassiodor berichtet, beweisen, daß die Post im ganzen Reiche gut eingerichtet und gut geleitet war, und die Lückenhaftigkeit der überlieferten Postvorschriften erklärt sich ganz natürlich daraus, daß Cassiodorus mit seinem Werke sein Wirken als Minister in ein recht helles Licht setzen und daneben für angehende Staatsbeamte eine Art Lehr- und Unterrichtsbuch, nicht aber vollständige Dienstanweisungen für alte Verwaltungszweige liefern wollte.

König Theoderich starb am 30. August 526, nachdem er 33 Jahre regiert hatte.

Seine Idee, ein Reich durch Vereinigung aller Germanenstämme zu gründen, konnte er nicht verwirklichen. Seine Nachfolger kamen ihm nicht an Herrschereigenschaften gleich. Nach einem 20jährigen Kampf gegen Ostrom ging das Ostgotenreich im Jahre 555 zugrunde.

- - -

Quellen:

Deutsche Postgeschichte, herausgegeben im Auftrag des Reichspostministeriums 1937.
Dazu:
Mommsen, Th.: Briefsammlung des Cassiodorus (variae) in Momumenta Germaniae historiea Auct. ant. Tom. XII.
Brion, Marcel; Theoderich, König der Ostgoten, Frankfurt a. M. 1936.
Dahn, Felix: Die Könige der Germanen, Band 4, 6. München 1861
Deltuf, Paul: Théoderie, roi des Ostrogothes et d'Italie. Paris 1869.
Dumoulin, Maurice: Le gouvernement de Thèoderic et la domination des Ostrogothes en Italie. (Revue historique, Band 78/79, Paris 1902).
Hartmann, Eugen: Entwicklunggeschichte der Posten. Leipzig 1868.
Hodgkin, Th.: The letters of Cassiodorus, London 1886.
Punzi, Guiseppe: L#Italia del VI secolo. Aquila 1923.
Pfleilschister: Der Ostgotenkönig Theoderich der Große. München 1896.
Roure, de: Histoire du Thèoderic le grand roi d'Italie. Paris 1846.
Steinen, von den: Theoderich und Chlodwig. Tübingen 1933.
Stöhr, Kurt: Das Nachrichtenwesen des weströmischen Kulturkreises von der Vöökerwanderung bis zum Tode Karls des Großen (Dissertation), Halle (Saale) 1933.
Selbst (Eigenverfassung)

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BeitragThema: Re: Die Post im Reiche des Ostgotenkönigs Theoderich   Do Dez 25, 2008 3:29 pm

Wirklich ein seltener und interessanter Beitrag!
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BeitragThema: Re: Die Post im Reiche des Ostgotenkönigs Theoderich   Fr Dez 26, 2008 9:12 pm


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